Die Sehnsucht gesucht

Der 144. Zungenschlag von Ohr zu Ohr

Von Jutta Schneider

Seit Anfang 1992 bis Februar 2020 war der „Zungenschlag“, diese „KabarettTalkMusikTheaterComedyImprovisationsBühnenShow “ 143 Mal vor regelmäßig ausverkauftem Haus über die Bühne gegangen. Nachdem er im Verlauf dieser Jahrzehnte eine Odyssee durch alle kulturellen Spielstätten Heidelbergs hinter sich gebracht hatte, ist er inzwischen seit vielen Jahren fester Bestandteil im (Gast-)Spielplan des Heidelberger Theaters.
Und jetzt, zum 144.? Macht die Pandemie der Truppe einen dicken Strich durch die Rechnung. Sehnsüchtig nach Bühne und Publikum, wollte das Team um Moderator Axel Naumer aber nun nicht noch einmal das vorbereitete Programm „in die Tonne kloppen“. Also wird das Ganze via Audio-Stream hörbar gemacht. (Vielleicht ganz gut, denn einige aus der Truppe hatten sich die Haare selbst geschnitten…) Das Motto des gut einstündigen Programms lautet passenderweise „Sehnsucht“.
„Assistänzerin“ Frau Warth ist ganz berührt, weil sie alle wiedersieht und Herrn Naumers Stimme endlich mal wieder direkt „von Ohr zu Ohr“ hören kann. Auch sie hat heftig Sehnsucht in sich gespürt, aber sie wusste erst gar nicht, wonach und hat erst einmal gesucht. Und obwohl sie nicht zu sehen ist, trägt sie ihr rotes Faltenkleid – ohne das geht es nicht. Allerdings: Zehn Kilo hat sie zugenommen während der zungenschlag-freien Zeit und musste 10 Falten aus ihrem Kleid rauslassen.
Selbstverständlich wird auch Musikalisches geboten und der sehnsuchtsvolle Song „My favorite things“ aus Rodgers/ Hammersteins Musical „The Sound of Music“ passt perfekt zum Thema. Wie schön, die wunderbare Stimme von Nina Wurman wieder zu hören. Auch die Band „Schlag auf Schlag“ ist dabei mit einem Stück eines brasilianischen Bossanova-Komponisten, arrangiert von Schlagzeuger Dirik Schilgen. Eine der Hauptsehnsüchte hat Bernhard Bentgens in einem Lied festgehalten: „Feiern, wir müssen feiern!“ Aber was? Das Gute, das Schöne?
Aktuelle Nachrichten im O-Ton kommentiert auch im Audio-Stream Jean Michel Räber. Zum Wahlergebnis in Ba-Wü gibt es das schöne Wortgebilde „Zitrus-Koalition“ (=Grüne und FDP). Und auch die Nachfolge von Jogi Löw oder das königliche Interview bei Oprah Winfrey kommen nicht zu kurz. Nina Wurman gibt dazu – very British – als Queen Lisbeth herrschaftliche Kommentare ab. We are amused!
Auch einen Gast kann dieser Zungenschlag präsentieren: Daniel Wagner, einer von Heidelbergs erfolgreichsten prämierten Wortschöpfern. Ein kulturschaffender Selbstständiger, ein Schreibvagabund und Poetryslammer, und was für einer! Er betreibt seinen eigenen Wortstoffhof, reimt, was das Zeug hält und überzeugt mit seiner Poesie. Überhaupt, die Poesie. Was wäre die ohne die Heidelberger Romantiker? Also wird das Gedicht „Sehnsucht“ von Eichendorff zitiert, allerdings mit Zwischenkommentaren von „Klugscheißer“ Herrn Naumer.
Und dann kommt es endlich, Jean Michel Räbers Hörspiel um Privatdetektiv Harry Stahl, das bei keinem Zungenschlag fehlen darf. Leider lässt sich nur erahnen, wie genial Nina Wurman die Geräusche produziert. Harry verfällt so langsam in Corona-Depression, bekommt aber dann doch Aufträge rein von Rentnern, die mittels Enkeltrick reingelegt wurden. Dabei haben sie gar keine Enkel.
Und einmal mehr bestätigt dieser „Zungenschlag“: Kleinkunst ist systemrelevant.

INFO: Audio-Stream unter http://zungenschlag.de/.

Der 145. Zungenschlag wieder live am 16. Mai (hoffentlich 2021).

Mancher Käse reift nur mit Wagner

Genuss ohne Reue beim 142. Zungenschlag im Maguerresaal des Heidelberger Theaters

Von Jutta Schneider

Wie könnte das Abendmotto des jüngsten „Zungenschlags“ gelautet haben, bei dem Frau Warth, die beliebte „Assistänzerin“ von Gastgeber Axel Naumer, eine Massage hingebungsvoll entgegennehmen konnte? Ja, endlich mal etwas für sich selbst tun und – Genießen, auch das will gelernt sein. Und so wurde folglich zum Thema „Genuss“ reichlich Material geboten auf der großen Bühne des Heidelberger Theaters. Der Gastgeber selbst gab sich – wie meistens – ein wenig spröde und ließ sich, weniger von Frau Warth, aber letztlich doch vom muskelbepackten Masseur Siegfried mitreißen. Auch die Angebote der anderen Zungenschlag-Protagonisten durfte das Publikum genießen: ob ein Lied von Bernhard Bentgens, eine Komposition von Saxophonist Matthias Dörsam (mit der Band „Schlag auf Schlag“), oder Nina Wurman, die über flüssige Genussmittel sang. Erst „I like coffee, I like tea…“, später mit Bernhard Bentgens und Frau Warth nebst Blumendeko und Ukulelebegleitung „Rum and Coca-Cola“. „Mancher Käse reift nur mit Wagner“ weiterlesen

Wenn Ariadnes Faden aus dem Nähkästchen hängt

Plaudereien beim 140. „Zungenschlag“ im Maguerresaal des Heidelberger Theaters

Von Jutta Schneider

Frau Warth war wieder da! Die beim 139. erkrankte „Assistänzerin“ von Gastgeber Axel Naumer brachte auch direkt das Motto mit auf die Bühne, das beim 140. „Zungenschlag“ den Abend bestimmen sollte: ein  Nähkästchen. Aus selbigem wurde unterhaltsam geplaudert. Dabei setzte das Kleinmöbel auch selbst zum Sprechen an, wurde aber von Frau Warth sicherheitshalber fest verschlossen. Bislang nicht Gehörtes über die „Zungenschlag“-Protagonisten sollte denn doch nicht preisgegeben werden. Schade eigentlich… „Wenn Ariadnes Faden aus dem Nähkästchen hängt“ weiterlesen

Eine Träne im Knopfloch

Kommen und Gehen beim 139. Zungenschlag im Heidelberger Theater

Von Jutta Schneider

Eine Tür stand auf der Bühne im Heidelberger Theater. Während Nina Wurman und die Band „Schlag auf Schlag“ von den Beatles „Hello Goodbye“ sangen und spielten, konnte das Publikum das Abendmotto des „Zungenschlags“ bereits erahnen. Und dann kamen alle Mitwirkenden des Abends durch diese Tür, einer von ihnen zum letzten Mal. Aber davon später. „Eine Träne im Knopfloch“ weiterlesen

Thomas C. Breuer verlässt die Kabarettbühne

Von Jutta Schneider

Heidelberg. Ein Kabarettist, der in den Ruhestand geht? Schwer vorstellbar, aber dennoch möglich: Thomas C. Breuer tut es. Viele Jahre hat er die einschlägigen Kabarettbühnen bespielt; vier Jahrzehnte lang mit Wortwitz im wahrsten Sinne Politik und allerlei gesellschaftliche Auswüchse aufs Korn genommen. Er tat dies auch mit spitzem Stift, denn es gibt von ihm 25 Bücher, in denen seine satirischen Texte nachzulesen sind. Übrigens war er in all den Jahren in Heidelberg nie in einer Gemeinderatssitzung – er machte Kabarett lieber selbst. „Thomas C. Breuer verlässt die Kabarettbühne“ weiterlesen